On the road: Mit der Rikscha nach Alleppey

Nach einem sehr frühen, letzten Cappucchino-und-Joghurt-mit-Granola-Frühstück im Western Café brach ich meine Zelte in Amritapuri ab. Der Yogakurs meiner Mitbewohnerin Jeannie hatte noch nicht angefangen und sie brachte mich noch mit meinen Siebensachen über die Brücke auf die andere Seite der Backwaters, von wo ich die nächste Etappe meines Indien-Abenteuers antreten sollte. Ich hatte es ziemlich eilig wegzukommen aus dem pinkfarbenen Reich von Amma und entschied mich dagegen, bis mittags zu warten, um mit dem Boot über die Backwaters nach Alleppey zu schippern. Der Teil zwischen Amritapuri und Alleppey soll sowieso ziemlich eintönig sein und die Fahrt dauerte über vier Stunden. Ich hob mir das Backwater-Vergnügen für später auf.

Die Variante, mit dem Zug von Karunagapally, einem kleinem Kaff 20 Rikscha-Minuten vom Ashram entfernt, nach Alleppey zu fahren, schloss ich auch aus. Obwohl ich jetzt schon über fünf Wochen in Indien war, hatte ich immer noch Schiss vor dem indischen ÖPNV. Mir fielen tausend Gründe ein, warum ich nicht in einen Zug steigen wollte: Die Bilder von dem Gewühle am Bahnhof von Trivandrum an meinem ersten Tag (okay, da fand auch gerade eine Demonstration der Kommunistischen Partei Keralas statt, vielleicht ist da sonst nicht so viel los), die Geschichten von anderen Travellern, die meinten, man könne die Schilder an den Bahnhöfen nicht lesen und wüsste nie, wo man sei, die Erinnerung an eine nicht endend wollende Fahrt in einem überfüllten, altersschwachen Bummelzug in Rajasthan bei meiner ersten Indienreise 2006, und und und.

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Taxi war mir zu teuer. Ich entschied mich für die Rikscha. Jeder, dem ich das später erzählte, erklärte mich für verrückt, dass ich mich mit einem solchen Vehikel 60 Kilometer über die dichtbefahrene Bundesstraße durch die Gegend schaukeln ließ. Der Rikschafahrer freute sich wie ein Schnitzel, als ich mit meinen zwei Rucksäcken, meiner Umhängetasche und meiner Yogamatte in seinem dreirädrigen Gefährt einstieg. Fahrgäste mit einer solch langen Strecke hatte er selten, da rollt die Rupie!

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Er müsse erst mal tanken fahren, hieß es, als wir lostuckerten. Als wir an der Tankstelle stoppten, dreht er sich zu mir um und wollte eine Vorauszahlung. Wir könnten sonst nicht tanken, er habe nicht genug Geld. Hmm, ich wusste, die Benzinpreise in Indien waren gesalzen, ein Liter kostete fast 70 Rupien, das ist über ein Euro, fand das Ganze aber trotzdem etwas bizarr. Aber was blieb mir anderes übrig. Bezahlen musste ich früher oder später sowieso. Ich gab ihm 200 Rupien, damit sollten wir wohl noch Alleppey kommen. Das kamen wir auch. Zumindest bis zum Ortsschild. Ich hatte dem Fahrer die Adresse von Johnson’s „The Nest“ gegeben, dem Homestay, wo ich mich eingemietet hatte und er sagte, jaja, kein Problem.

In Wahrheit hatte er keinen Schimmer. Glücklicherweise hatte er ein Handy dabei und rief Johnson an, der ihm den Weg beschrieb. Dabei stellte sich heraus, dass Johnson’s Homestay in einer Wohngegend etwas außerhalb lag. Das fand mein Fahrer nicht so lustig. Er wollte für die zusätzlichen drei Kilometer nochmal extra Geld haben. Oder ich müsse hier schon aussteigen. Wie bitte? Wir hatten doch einen Festpreis ausgemacht? Wir diskutierten hin und her. Ich war sauer. Er fuhr mich dann schließlich doch noch zu meiner Unterkunft. Ohne Aufpreis. Musste ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben, weil ich wegen 60 oder 100 Rupien so feilschte? Umgerechnet in Euro sind das natürlich Peanuts. Aber ich wollte mich auch nicht ständig übervorteilen lassen.

Ja, die Rikschafahrer in Indien sind schon eine ganz besondere Spezies. Bevor ich Euch auf das „Eco Houseboat“ von Johnson mitnehme und durch die Backwaters schippere, gibt es im nächsten Beitrag eine kleinen Exkurs über „Der indische Rikschafahrer im Allgemeinen und im Besonderen“ – stay tuned!

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