Yogalehrerausbildung in Indien: Die passende Yogaschule finden

Bali? Thailand? Kurzzeitig hatte ich einmal damit geliebäugelt, meine Yogalehrerausbildung in Südostasien zu machen. Nach meiner Reise durch Südindien im Oktober in den Flieger nach Denpasar zu steigen oder nach Bangkok und von dort weiter an einen schönen Strand oder in ein Dschungelresort. Das habe ich dann aber schnell wieder verworfen. Nicht nur, weil ein Yoga Teacher Training in Bali in den meisten Fällen fast genauso teuer ist wie in Deutschland. Wenn ich eine Yogalehrerausbildung mache, dann bitte schön im Land des Ursprungs. Also in Indien. Dort, wo schon vor 5000 Jahren in den Upanishaden, der Bhagavad Gita und den Yoga Sutren von Pantajali die Grundkonzepte dessen niedergeschrieben wurden, was heute weltweit ein Massenphänomen ist.

Yoga und Indien, das gehört zusammen wie München und die Wiesn. Wobei ich in meinen Begegnungen mit Indern immer wieder festgestellt habe, dass Yoga bei den jüngeren, modernen Indern gar nicht so populär ist. Die gehen lieber zum Zumba oder Eisenstemmen ins Fitnessstudio anstatt Kopfstand zu üben und „Om“ zu singen. Über mangelnden Zulauf müssen sich die unzähligen Yogaschulen in Indien dennoch nicht beklagen, den sinnsuchenden, yogabegeisterten Westlern wie mir sei Dank. Wir fallen in Hundertschaften in den Ashrams und Yogaschulen der Yogahochburgen des Landes ein, sei es für einen Retreat, für Drop-In-Stunden oder für eine Yogalehrerausbildung.

So gibt es in Indien Yogaschulen wie Sand am Meer. Wer eine Yogaschule betreibt, bietet meistens auch eine Yogalehrerausbildung an. Gibt man „Yoga Teacher Training in India“ bei Google ein, wird man von fast 850.000 Suchergebnissen förmlich erschlagen. Da fällt es schwer, die richtige Auswahl zu treffen. Ich bin fast verzweifelt, als ich mich auf die Suche begeben habe, das Angebot ist einfach zu groß. Die berühmten „W-Fragen“ haben mir geholfen, mich schließlich zu entscheiden.

1. Region: Lieber Berge oder Meer?

Wo soll das Ganze stattfinden? Am besten grenzt man seine Suche erst einmal geografisch ein. Möchte ich in den bergigen, kühleren Norden Richtung Himalaya? Oder lieber in den tropischen Süden an den Strand? Soll es etwas touristischer sein oder eher abgeschieden? Yogaschulen findet man in Indien in abgelegenen Bergregionen genauso wie an den Stränden oder im dschungeligen Hinterland der Küstenregionen des Südens. Die meisten Schulen ballen sich in den Yogazentren des Landes. Also in Rishikesh, Mysore und Goa.

Rishikesh gilt als Wiege des Yoga. Neben berühmten Ashrams wie dem Parmath Niketan Ashram gibt es unzählige kleine und größere Ashrams und Schulen, die 200-h und 300-h-Yogalehrerausbildungen anbieten. Wenn man durch Lakshman Jhula und Ram Jhula läuft, hat man den Eindruck, als ob man sich in jedem zweiten Gästehaus zum Yogalehrer ausbilden lassen kann. Ich habe hier schon viele Drop-In-Klassen ausprobiert bei meinen Besuchen, u.a. im Om Shanti Om und bei Surinder Singh im Swasti Yoga Shala, der zu den renommiertesten Yogalehrern Indiens gehört. Beide Schulen bieten auch Yogalehrerausbildungen an. Empfohlen wurde mir auch das Yoga Teacher Training im Rishikesh Yog Peeth. Rishikesh ist ein besonderer Ort, durch seine Popularität aber auch sehr kommerziell. Wer seine Ruhe haben möchte, sollte die Hochsaison ebenso meiden wie große hinduistische Feiertage, da Rishikesh auch ein Pilgerort ist.

Mysore hat seine Popularität als Yogahochburg Pattabhi Jois zu verdanken, dem Vater des Ashtanga Yoga. Rund um das Shri K. Pattabhi Jois Ashtanga Yoga Institute in Gokulam haben sich zahlreiche Yogaschulen angesiedelt, die sowohl für Ashtanga als auch für Hatha Yogalehrerausbildungen anbieten. Die meisten Yogaschüler wohnen auch in Gokulam, wo sich viele westliche Cafés angesiedelt haben, in denen man von Müsli über Smoothies alles bekommt.

Und dann ist da natürlich noch Goa, als ehemaliges Hippie-Eldorado noch immer ein magischer Anziehungspunkt für alle spirituell Interessierten und für Yogafans. Vor allem im Süden rund um Palolem, aber auch im Norden in Arambol und Mandrem finden sich zahlreiche Yogaschulen. Auch hier gilt: Wer es ruhiger haben möchten, sollte nicht unbedingt einen Partystrand wählen, sondern eine Schule, die etwas abgelegener ist.

Die Wahl des Ortes sollte man nicht nur an der Vorliebe für Berge oder Meer festmachen, sondern auch an der Reisezeit. Von November bis Februar kann es in Rishkesh empfindlich kalt werden. Wer also nicht morgens um sechs Uhr mit Wollmütze und Handschuhen im Lotussitz bei der Meditation sitzen möchte, entscheidet sich lieber für den Süden.  Meine Wahl fiel letztlich auch auf Goa, auf Trimurti Yoga. Mitte Oktober waren die Temperaturen angenehm, morgens und abends war es sogar recht kühl. Ab März kann es drückend werden, die Kombination aus schweißtreibender Yogapraxis und Tropentemperaturen muss man aushalten können. Das ist dann die perfekte Zeit für Rishikesh.

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In Rishikesh gibt es alles, von Hatha Yoga bis Tantra Yoga.

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Im Om Shanti Om in Rishikesh habe ich im Sommer 2015 Drop-In-Stunden in Hatha Yoga genommen.

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In Rishikesh bekommt man alles aus einer Hand: Momos, Yoga und Laundry Service.

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Im Parmath Niketan Ashram in Rishikesh findet jedes Jahr im März das International Yoga Festival statt.

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Die Vorbereitungen auf die Prüfung meiner Yogalehrerausbildung bei Trimurti Yoga in Goa laufen auf Hochtouren.

2. Yogastil: Spezialisierung oder breit gefächert?

Hatha, Iyengar, Vinayasa, Ashtanga oder am liebsten alles? Viele der Yogaschulen sind auf einen bestimmten Stil spezialisiert. Man sollte sich daher vorher gut überlegen, ob man sich festlegen möchte und wenn ja, worauf. Ashtanga und Iyengar sind schon sehr speziell. Eine Ausbildung in Hatha oder Vinayasa bietet in meinen Augen gerade für die Grundausbildung mehr Flexibilität. Ein Grund, warum ich mich für Trimurti Yoga entschieden habe, ist, dass wir in mehreren Stilen ausgebildet wurden. Multistyle Yoga wird übrigens auch bei Smriti Yoga angeboten, wo eine Freundin von mir im Januar ihre Ausbildung gemacht hat.

3. Indische Herangehensweise oder westliche Didaktik?

Eine weitere Frage, die mir wichtig war: Ist die Schule unter indischer oder internationaler Leitung? Gibt es mehrere Ausbilder oder wird das Yoga Teacher Training von einem einzigen Lehrer bestritten? Die Didaktik vieler indischer Lehrer unterscheidet sich grundlegend von dem, was wir im Westen gewöhnt sind. Gerade, wenn es um die Vermittlung von theoretischem Wissen geht, schlagen nicht selten kulturelle Unterschiede zu Buche. Der Fokus vieler traditioneller indischer Lehrer liegt auf der Yoga Philosophie. Doch wie man sich im Westen erfolgreich als Yogalehrer etabliert und was die Schüler dort von einem erwarten, kann oftmals besser von einem Lehrer aus dem eigenen Kulturkreis vermittelt werden. Meine Erfahrung: Wird die Ausbildung von einem internationalen Team bestritten, profitiert man nicht nur von einer Mischung aus Ost und West, aus Tradition und Moderne, sondern auch von verschiedenen Herangehensweisen und Perspektiven.

4. Die Spreu vom Weizen trennen

Auch die noch so kleinste Yogaschule hat heute in der Regel eine Zertifizierung wie beispielsweise von der Yoga Alliance. Darauf sollte man unbedingt achten, denn damit wird sichergestellt, dass Standards eingehalten und bestimmte Inhalte vermittelt werden. Mit seinem Lehrerzertifikat kann man sich wiederum bei der Yoga Alliance registrieren, ein Vorteil für die eigene Vermarktung. Trotz des Siegels „Registered Yoga School“ lohnt es sich, einen zweiten Blick zu riskieren, bevor man sich für eine Yogaschule entscheidet, denn wie überall, gibt es auch hier schwarze Schafe. Hilfreich ist, im Vorfeld einen Blick auf die Webseite der Yoga Alliance zu werfen, wo die registrierten Schulen von ehemaligen Schülern bewertet werden.

5. Vorbereitung auf die Yogalehrerausbildung

In Vorbereitung auf die Lehrerausbildung habe ich von Trimurti Yoga vorab eine umfangreiche Leseliste bekommen. Da ich vor dem Kurs bereits sechs Wochen mit dem Rucksack unterwegs war und keinen Platz für dicke Wälzer hatte, habe ich darauf verzichtet, mir in Deutschland das ein oder andere Buch zu besorgen und zum Einlesen mitzunehmen. Während der Reise bin ich zwar regelmäßig in Buchhandlungen gewesen und habe die Regale mit den Yogabüchern durchforstet, habe mich aber letztlich dagegen entschieden. Das habe ich während des Kurses bereut. Zwar gab es ein ausführliches Skript und auch eine kleine Bibliothek, doch ich hätte gerne meine eigenen Nachschlagewerke gehabt, vor allem zu Anatomie und zum Sequencing. Man kann natürlich fast alles im Internet recherchieren, doch das kann in Indien, allen voran in Goa, recht müßig sein. Nächstes Mal würde ich definitiv ein paar Basiswerke mitnehmen.

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2 comments

  1. M

    Tausend Dank liebe Alexandra, deine Seite hat mir geholfen bei der Suche nach einem Yogastudio in Indien inmitten des Internet-Dschungels ! Bald hoffentlich richtiger Dschungel 🙂

  2. Liebe Maren, das freut mich sehr zu hören! Sollte es bei Trimurti Yoga klappen: Schon mal viel Freude vorab im goanischen Dschungel :-): Liebe Grüße, Alexandra

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