Rucksack gepackt – mit United for Hope nach Tirmasahun

Als Ironblogger ist man es gewohnt, auch zu nachtschlafenen Zeiten zu bloggen – um halb zwei in der Nacht im Hotel in Delhi vor dem Weiterflug nach Shanghai, obwohl der Rucksack noch nicht fertig gepackt ist oder jetzt, morgens um kurz nach sechs, neben mir ein Cappuccino und mein Flugticket nach Delhi. Zum Glück habe ich schon fast alles eingepackt, ein paar kleine Besorgungen muss ich noch machen auf dem Weg zum Flughafen, Ohrstöpsel zum Beispiel und ein paar Süßigkeiten für meine Gastfamilie in Tirmasahun, einem kleinen Dorf in Nordindien, in Uttar Pradesh an der Grenze zu Bihar.

UfHlogo Ein Glas Schwartau-Marmelade „Waldbeere“ ist schon in meinem Rucksack. Seitdem Tara, die Gründerin der NGO „United for Hope“, mit der ich auf einem einwöchigen Projektbesuch in Tirmasahun sein werde, einmal Marmelade aus Deutschland mitgebracht hat, stehen die Dorfbewohner total darauf. Kann ich verstehen, DIE indische Marmeladenmarke „Top“ schmeckt nach purer Chemie. Für die Kinder werde ich gleich unter anderem noch ein paar Fritt-Streifen kaufen. Dieses längst vergessene süße Kauvergnügen in Himbeere, Zitrone und Erdbeere hat die Tage ein Twitterer wieder in mein Gedächtnis zurückgebracht. Ich bin gespannt, wie das den Kids schmeckt.

Obwohl Indien gerade mal sieben Flugstunden von München entfernt ist, habe ich eine ungefähr 24-stündige Reise vor mir, inklusive einer halben Nacht am Flughafen in Delhi, aber das bin ich ja schon gewöhnt. Morgen früh fliege ich weiter nach Patna. Und danach sind es noch 250 Kilometer nach Tirmahasun. Mit dem Taxi. Eigentlich wären wir zu fünft gewesen. Aber unsere zwei Kameraleute, die einen neuen Dokumentarfilm im Dorf drehen, sind nun doch schon gestern weitergeflogen. Und die anderen beiden müssen sich in Hua Hin in Thailand um einen gebrochenen Lendenwerbel kümmern, Paragliding ist gefährlich … Also bin ich alleine. Am Flughafen wartet Aditya auf mich, der Cousin von Vikas, der ebenfalls im Projekt arbeitet. Er fährt mit mir nach Tirmasahun. Wir hätten auch den Bus nehmen können, wäre tausendmal günstiger gewesen. Aber ich habe dieses Mal beschlossen, mir den Luxus eines Taxis zu gönnen. Rumpelige Busse warten dann in Darjeeling auf mich.

großekarte

Wie wird meine kommende Woche aussehen? Hart. Aufregend. Herausfordernd. Spannend. Dankbar. Glücklich. Indisch. Unglaublich. Ich bin so gespannt. Ich war ja nun schon so oft in Indien, aber dieses Mal werde ich „richtig“ in Indien sein. Keine Touristen. Und keine touristischen Annehmlichkeiten. Wir werden zu sechst – es kommt noch unser Ingenieur aus Saudi-Arabien – bei einer Familie wohnen, die extra ein Zimmer für uns frei gemacht hat. Tara hat provisorische Betten für uns besorgt, ein paar Matten. Alles andere habe ich dabei. Dabei fällt mir ein, ich habe vergessen, ein Kopfkissen einzupacken. Vielleicht bekomme ich am Flughafen noch etwas aufblasbares? Im Nebenzimmer schläft die Familie. Der Papa schnarcht wohl. Ohrstöpsel muss ich auch noch kaufen, ich sollte mir eine Einkaufsliste machen. Die Familie ist wahnsinnig nett, sagt Tara. Sie gehören zu den „wohlhabenderen“ in Tirmasahun, wenn man überhaupt davon sprechen kann, denn das Dorf ist extrem arm.

Was United for Hope in Tirmasahun macht, könnt Ihr hier nachlesen. Ich werde unter anderem in den zwei Schulen bei den WASH-Programmen unterstützen. Das heißt, den Kindern versuchen beizubringen, wie wichtig es ist, sich regelmäßig die Hände zu waschen. Zwei große Stück Seife habe ich mit dabei. Eingepackt sind auch 100 Einweghandschuhe und große Müllsäcke, den wir werden einen Müllaktionstag haben und unter anderem die Bushaltestelle säubern. Natürlich zusammen mit den Tirmasahunern, in der Hoffnung, dass das Müll sammeln und darauf achten, nicht einfach alles irgendwo hinzuwerfen, langsam aber sicher in Fleisch und Blut übergeht.

Das Projekt, auf das ich mich am meisten freue, ist das „Frauenprojekt“. Wir haben die Chance, mit einer US-amerikanischen Universität beim Thema „Women’s Empowerment“ zusammenzuarbeiten. Interessierte Frauen sollen trainiert werden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Um herauszufinden, ob daran Interesse besteht, welche Frauen daran teilnehmen würden und auf was zu achten ist, werden wir Interviews in den fünf Hamlets durchführen. Natürlich mit einer Übersetzerin, denn bis auf zwei, drei Brocken kann ich leider immer noch kein Hindi. Dabei fällt mir ein, ich muss am Flughafen auch noch ein Notizbuch kaufen …

ufhmanifesto

Next stop: Darjeeling, Tee trinken wie die Briten

Bevor ich wieder nach Deutschland zurückfliege, erfülle ich mir noch einen Traum: Eine Woche Bergluft schnuppern in Darjeeling. Auf einer Terrasse sitzen, Tee schlürfen und meinen Blick über die grünen Teeplantagen schweifen lassen. Lesen. Das Erlebte in Tirmasahun Revue passieren lassen. Ein bisschen trekken gehen. Und vielleicht auch ein bisschen bloggen. Wobei ich für die nächsten zwei Wochen „Iron Blogger Urlaub“ angemeldet habe. Deshalb werdet Ihr hier höchstwahrscheinliche erst in der Woche nach Ostern wieder etwas von mir lesen. Schaut aber einfach mal auf meiner Facebook-Page vorbei oder bei meinem Facebook-Profil, da werde ich sicherlich das ein oder andere Foto posten. Ansonsten hoffe ich, dass Ihr mir und „traveling the world“ trotz der kleinen Blogpause (und des bei den vielen Indienreisen mittlerweile herrschenden Chaos, was die zeitliche Abfolge der einzelnen Stationen und Geschichten angeht) weiter treu bleibt. Habt eine gute Zeit, bis bald :-)!

darjeelingreiseführer

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2 comments

  1. M

    Liebe Alex!
    ich lese dich hier immer wieder gern und bin echt beeindruckt, was inzwischen aus deiner Begeisterung für das Land und seine Leute geworden ist!
    Ich wünsche dir eine aufregende und spannende Zeit und freue mich sehr, wenn wir es nach Ostern mal wieder schaffen, im bequemen München entspannt was Essen zu gehen….-

    Alles Gute für deine Reise und den Aufenthalt!

    Liebe Grüße
    Marina

  2. liebe marina, das freut mich, dass du hier öfters vorbeischaust :-). jetzt bin ich tatsächlich wieder in münchen, die zeit ging so schnell vorbei! und war sehr erlebnisreich und faszinierend, vor allem im Dorf! gerne ganz bald treffen auf einen abendlichen ratsch und leckeres essen! liebe grüße, alex

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