Liebster Award: 11 Fragen rund um’s Bloggen, Genießen und Essen

liebsteraward Einige von Euch kennen ihn schon, den „Liebster Award“, die Initiative von Bloggern für Blogger, um sich besser zu vernetzen und kleinere Blogs bekannter zu machen in der immer weiter wachsenden Blogosphäre. Ich hatte bereits zwei Mal das Vergnügen, nominiert zu werden und habe u.a. Fragen zu Reisen, Kochen, Kunst und Musik und sonstigen schönen Dingen des Alltags und zu Reisen und Bloggen beantwortet. Heute plaudere ich wieder einmal aus dem Nähkästchen, denn Bettina von Respekt Herr Specht! hat mich nominiert. Bettina kenne ich schon seit mehreren Jahren aus der Offline-Welt und seit diesem Frühjahr bin ich begeisterte Leserin ihrer Interviews mit Food-Entrepreneuren auf ihrem etwas anderen Food-Blog. Natürlich geht es bei Bettinas 11 Fragen an mich auch um’s Essen und um Genuss – zwei Leidenschaften, die wir teilen – , aber vor allem um’s Bloggen. Here we go!

1. Was bedeutet es für Dich, Deine eigene Chefin zu sein?

Vor allem Freiheit, das Gefühl, selber entscheiden zu können, wann und wo und wieviel ich arbeite. Zwar war eine solche Formulierung auch Bestandteil meines Arbeitsvertrags als Redenschreiberin in einem Großkonzern, doch in der Praxis scharten die Chefs ihre Schäfchen doch gerne um sich. In meiner letzten Festanstellung war man kurz davor, eine Rasterfahndung zu starten, wenn jemand um 9.10 Uhr immer noch nicht da war. „Kommt der Herr XY denn wohl heute noch?“ hieß es dann. Ich entging meistens so gerade eben noch der Rasterfahndung. Seit ich freiberuflich bin, bin ich ein „early bird“. Ich mag es, morgens direkt um 7.00 Uhr beim Frühstück loszulegen mit der Arbeit. Dann habe ich bis Mittags oft schon so viel geschafft, wie früher an einem Acht-Stunden-plus-X-Tag im Büro. Wobei ich mich häufig ertappe, dass ich dann immer noch mein Nachtdress anhabe. Aber das scheint unter Freiberuflern nicht unüblich zu sein, wie ich von einigen Kollegen höre und wie vor ein paar Monaten im SZ-Magazin in dem wundervollen Beitrag „Würdevoll verwahrlosen“ der Drehbuchautorin Anika Decker zu lesen war.

Im Pyjama ausgesperrt wie Anika Decker habe ich mich zum Glück noch nicht und soviele Pyjamas wie sie besitze ich auch nicht. Doch die Anzahl von Bequemkuschelhosen ist seit dem Start meiner Selbständigkeit definitiv gestiegen. 9-to-5-Jobs hatte ich sowieso nie, sie waren eher 9-to-open-end. Letzteres kann natürlich auch passieren, wenn man sein eigener Chef ist. Genauso wie am Wochenende zu arbeiten. Aber komischerweise macht mir das überhaupt nichts aus. Denn ich bin mein eigener Chef. Und entscheide beispielsweise, bei schwitzgen 34 Grad am Nachmittag meinem neuesten Hobby Stand-Up-Paddeling auf dem Ammersee nachzugehen und dafür am Abend nochmal in die Tasten zu hauen oder eben an einem grauen Samstag wie heute, wo ich nach diesem Blogartikel noch eine Broschüre texten werde, die am Dienstag  fertig sein muss. Logischerweise ist man auch als eigener Chef nicht völlig selbstbestimmt, denn man möchte seine Kunden zufriedenstellen und dessen Wünsche und Vorstellungen, sei es thematisch, strukturell oder terminlich berücksichtigen. Aber das fühlt sich für mich anders an als ein Rädchen in einem Firmengetriebe zu sein. Das Schöne an meinem Job ist zudem, dass ich eigentlich von überall arbeiten kann, wo es einen Internetanschluss gibt. Das digitale Nomadensein werde ich im Herbst auf meiner nächsten Indienreise erstmalig ausprobieren.

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2. Was hat Dich motiviert, Deinen Blog zu starten?

In erster Linie der Zuspruch meiner Freunde und meiner Familie, die meine Reisepisoden und die Bilder meines viermonatigen Sabbaticals in Indien und Nepal auf Facebook mit verfolgt haben und der Meinung waren, ich solle mehr daraus machen. Letztlich überzeugt, meine Reiseerlebnisse umfassender niederzuschreiben, haben mich zwei Freundinnen bzw. ehemalige Kolleginnen, allerdings zunächst nicht so, wie sie es für mich vorgesehen hatten, d.h. als Buch. Da habe ich sie erst einmal ausgelacht. Das Dokument mit dem provisorischen, wenig einfallsreichen Buchtitel „Eat, Pray, Love 2.0“, das ich am selben Abend anlegte, blieb lange Zeit weiß. Bis ich Monate später auf eine Stellenanzeige stieß, in der es hieß, für die Position des Social Media Managers sei ein eigener Blog eine Grundvoraussetzung. Da hat es Klick gemacht und ich habe dann in einer Nacht- und Nebelaktion einen Blog aufgesetzt. Also nicht strategisch geplant, wie dies heute viele neue Blogger machen.

3. Wer oder was inspiriert Dich?

Ich fühle mich am meisten inspiriert von der Begegnung mit anderen Menschen. Ich beobachte sehr viel und komme vor allem auf Reisen leicht in Kontakt mit anderen Menschen. Dabei erfährt man unheimlich viel, über andere Kulturen, Sichtweisen und auch über sich selbst. Und durch eine noch so kurze, zufällige Begegnung ergeben sich manchmal die interessantesten Kontakte und interessantesten Geschichten, wie zum Beispiel auf meiner zweimonatigen Reise letzten Sommer. Mich inspirieren auch Orte, aber weniger die großen Sehenswürdigkeiten, sondern das Herumstromern in den Seitenstraßen, dort, wo das normale Leben stattfindet. Dabei erfährt man sehr viel mehr über die Seele eines Ortes als beim Abklappern der großen touristischen „Must sees“.

4. Was begeistert Dich an Deinem Blog?

Dass ich durch das Schreiben die Chance habe, erneut in das Erlebnis des Reisens einzutauchen. Wenn ich überlege, in welche Geschichte ich den Aufenthalt an einem bestimmten Ort einbetten kann, schaue ich mir häufig erst einmal die Fotos dazu an. Dann kommt plötzlich alles wieder, die Farben, die Gerüche, die Gefühle. Das verstärkt sich beim Schreiben und ich bin plötzlich nicht mehr an meinem Küchentisch in Schwabing, sondern auf einem Hausboot in Kaschmir oder in den Bergen in Ladakh.

5. Mit welchen drei Adjektiven bzw. Hashtags beschreibst Du Dich?

#Reisesüchtig #ExtremneugierigerunruhigerundoffenerGeist #TreueSeele

6. Was ist die größte Turbulenz, durch die Du in Deinem Bloggerleben geflogen bist?

Große Turbulenzen gab es bisher eigentlich keine nennenswerten. Eine technische Turbulenz gab es vor ein paar Monaten, als ich etwas im Code  verändert und mich ausgesperrt habe. Da bin ich fast ausgeflippt. Doch der Support meines Providers konnte zumindest die Version des Vortages wiederherstellen. Abgemahnt wurde ich auch nicht. Auf meinen Beitrag über München zur Blogparade der Iron Blogger gab es auf der Facebook-Seite des Stadtportals muenchen.de, für das ich auch blogge und das meinen Beitrag geteilt hat, ein Shitstürmchen. Ich hatte einige bayerische Worte nicht richtig geschrieben und damit kapitale Fehler begangen, die ein Bayer nicht einfach tolerieren kann. Aber ich habe es überlebt und wurde nicht des Landes verwiesen.

7. Was war der größte Glücksmoment in Deinem Bloggerleben?

Der liegt noch gar nicht so lange zurück. Das ist der Tag, an dem ich die Zusage bekam, der deutsche „Wanderer“ der Reiseagentur IndiaSomeDay aus Mumbai zu sein. Im Rahmen der Aktion „You wander, we pay“ werde ich im September vier Wochen bloggend für IndiaSomeDay durch Südindien reisen. Ich kann es kaum erwarten.

8. Was sind Deine drei Lieblingsblogs? Warum?

Einer meiner Lieblingsblogs ist der von Anika Landsteiner, Ani denkt. Der Blog ist tiefsinnig, er stimmt nachdenklich und inspiriert. Die Reiseberichte heben sich wohltuend von den für viele Reiseblogs typischen „10 Dinge, die Du unbedingt in XY gemacht haben musst“ ab. Ein wunderbarer Schreibstil, der einen für einen Moment aus dem Alltag entführt. Ähnlich geht es mir bei Gesa von Bedouin Writer, die derzeit in Afrika ist und deren lebendige Schilderungen ihre Reisen ebenfalls so miterleben lassen, als ob man dabei wäre. Mein dritter Lieblingsblog ist Fuck Lucky Go Happy von Franziska und Rebecca, die beide ihren PR-Job haben sausen lassen und nun ihr Geld mit ihrem wunderbaren Blog über alles, was Yogis interessiert, Yogaunterricht und Coaching verdienen. Ein Weg, der mir auch sehr gut gefallen würde …

9. Wie verbringst Du einen schönen Sonntag?

Das ist ganz unterschiedlich und abhängig von der Jahreszeit und vom Wetter. Jetzt im Sommer ist ein perfekter Sonntag für mich, morgens zeitig Richtung Süden aufzubrechen und einen Tag in den Bergen zu verbringen, so wie letzten Sonntag: Almentour mit einer Freundin in den Münchner Hausbergen mit Hütteneinkehrschwung und danach in meinem Lieblingslokal am Tegernsee bei gutem Essen, einem Glas Wein und Sonnenuntergang  den Tag ausklingen lassen. Bei Schmuddelwetter im Winter kann für mich ein perfekter Sonntag auch darin bestehen, einfach mal einen Tag gar nicht das Haus zu verlassen, ein bisschen zu lesen, aufzuräumen, liegengebliebene Dinge zu erledigen, mir Nachmittags ein Stück Kuchen zu holen, Abends was leckeres zu kochen, Tatort gucken und früh ins Bett zu gehen. Klingt völlig unspektakulär, aber viele meiner sozialen Kontakte finden während der Woche statt und da kann so ein „Only Me“-Sonntag was ganz Wunderbares sein.

10. Mit wem würdest Du gerne mal gemeinsam kochen?

Oh, dazu habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich verfolge seit einiger Zeit die Social-Media-Accounts von The Detox Kitchen in London, die sich dem Clean Eating verschrieben haben. Mit denen würde ich gerne mal einen Tag kochen. Oder mit dem Regisseur Luk Perceval, der das Stück inszeniert hat, dessen Endproben ich im Dezember vor der Premiere beiwohnen durfte. Luk ist nicht nur ein ausgezeichneter Regisseur, der auf eine ganz besondere Art und Weise mit den Schauspielern arbeitet, sondern auch Yogalehrer. Ich würde gerne einmal ein Tag mit ihm ayurvedisch oder vegan kochen und mich mit ihm über Yogaphilosophie, Meditation, Achtsamkeit, seinen Yogaweg und seine Arbeit als Regisseur austauschen. Leider bin ich im Oktober, wenn er eine Woche in einem auf Detox ausgerichteten Retreat Center am Millstätter See, wo man auch Kochkurse machen kann, Yoga unterrichtet, schon in Indien …

11. Wo warst Du zuletzt essen? Gehst Du wieder hin? Warum?

Ich war gestern Abend mit einer Freundin im „Attentat Griechischer Salat“ in Giesing. Eigentlich war ich wegen der Recherche für einen Blogartikel dort auf der Suche nach Lokalen, in denen es ruhig und idyllisch zugeht und keinen Musik gespielt wird. Doch dafür war dieser Giesinger Hotspot dann doch nicht der richtige Ort, wie sich schnell herausstellte. Es war jedoch der perfekte Ort, um dieses bislang noch von der Gentrifizierung verschonte Stadtviertel besser kennenzulernen und an einem nicht ganz so lauen, aber dennoch zum Draußensitzen geeigneten Freitagabend das Wochenende einzuläuten. Die Salatvariationen, die hier die Hauptattraktion sind, sind einfach der Hammer. Ich konnte mich nicht entscheiden zwischen der “Bodenlosen Unverschämtheit”, eine Kombination aus Hühnerspießen, Tomaten-Käse-Bällchen, Romana-Salat, Kirschtomaten, Fenchel, Parmesan, Datteln im Speckmantel, Walnüssen, Süßkartoffeln, Mango-Chutney, Avocadomus und Humus, der „Neuen Brust“, eine ähnliche Kombination mit Ziegenkäse und Hühnchen, und der vegetarischen Variante, „Kleidergröße 34“. Es wurde schlussendlich die „Kleidergröße 34“, wenn auch nur als Salat …

Ich werde auf jeden Fall wiederkommen, nicht nur wegen der Salate, sondern vor allem wegen der Atmosphäre. Hier oben am Giesinger Berg geht es noch richtig entspannt und unprätentiös zu, die Bedienungen sind supernett und man kommt mir nichts dir nichts ins Gespräch mit dem Nachbartisch. In diesen Gesprächen lernt man, dass man heute nicht mehr fragt „Wie heißt du?“ sondern „Was sind Deine Hashtags?“, dass geklaute Wildblumen ein Kompliment sind und sich in der vom edlen Spender eigens dafür besorgten Colaflasche mit Wasser richtig gut machen auf dem Tisch, und dass der tatöwierte Chris aus Essen, seinen eigenen Aussagen zufolge aka #Ruhrpottassi, keine Gartenzwerge mag, aber die Buxbäume in seinem Vorgarten akribisch beschneidet. Ja, hoffentlich bleibt es so entspannt hier oben auf dem Berg und die Schickimickisierungswelle macht nochmal Halt vor „Giasing“ …

Jetzt müsste ich eigentlich auch nominieren …

Der „Liebster Award“ sieht eigentlich vor, ebenfalls 11 Blogger zu nominieren und ihnen 11 Fragen zu stellen. Da ich dies jedoch schon einmal gemacht habe und der „Liebster Award“ so populär ist, habe ich dieses Mal beschlossen, darauf zu verzichten. Sollte mich der Award irgendwann nochmal erwischen, reiche ich ihn gerne wieder weiter <3.

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2 comments

  1. Liebe Alex,
    Danke für so viel Neues für meinen neugierigen Geist. Jetzt weiss ich schon, wo ich demnächst essen gehe: Ins „Attentat Griechischer Salat“ in Giesing. Was für ein cooler Name. Und die Bilder machen mir schon am frühen Morgen Appetit.
    Deine drei Reisebloglieblinge gefallen mir auch sehr. Viel Inspiration!
    OK, jetzt gehe ich erst mal laufen und kann meine Gedanken auf Reise schicken…
    Sonnengrüsse von Tina

  2. Liebe Tina,

    der Ausflug nach „Giasing“ lohnt sich auf jeden Fall! Die Salate sind eine Wucht, so einfallsreich und lecker und üppig, ein Paradies :-). Viel Spaß beim Laufen, mache ich jetzt auch noch!

    Sonnige Grüße,
    Alex

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