Heute muss ich den unbarmherzigen Iron Blog Bot auch mal ein bisschen austricksen und es etwas kürzer machen als sonst. Nachdem ich hin und wieder als Gastautorin für den Blog von muenchen.de unterwegs bin, war ich die letzten Abende und am Wochenende auf Foto- und Recherchesafari in den Cafés, Restaurants und Bars im Glockenbachviertel unterwegs für meinen nächsten Artikel, der in den nächsten Tagen erscheint. Bevor ich nächsten Freitag für drei Wochen nach Indien entschwinde, um neues Blogfutter für „traveling the world“ zu sammeln, möchte ich aber zumindest noch kurz an den letzten Bericht aus Mysore anknüpfen.

Nach dem Besuch bei Tipu Sultan haben wir nämlich noch einen Abstecher nach Somnathpur gemacht, das liegt ungefährt eineinhalb Stunden von Mysore entfernt und ist neben Halebid und Belur einer der drei Orte in Karnataka, in dem die Herrscher der Hoysala-Dynastie zwischen dem zehnten und vierzehnten Jahrhundert einige der prachtvollsten Tempel Indiens erbaut haben. Die Hoysalas waren ursprünglich ein Bergvolk aus den Western Ghats, die später über den Südwesten von Karnataka herrschten.

Wir hatten offenbar einen Tag erwischt, an dem sämtliche Schulen in Karnataka auf Ausflug waren. Für die Kids waren meine Begleitung, eine junge Belgierin mit blonden Rastazöpfen, und ich, ohne Rastazöpfe, aber mit ebenso blonden Haaren und heller Haut, offensichtlich spannender als die kunstvollen Reliefs in dem Lord Vishnu geweihten Keshava-Tempel. Anstatt den Ausführungen der Lehrerinnen zu lauschen, guckten die Jungen und Mädchen immer wieder verstohlen zu uns und flüsterten sich etwas hinter vorgehaltener Hand zu. So viele Touristen verirrten sich offenbar nicht hierher, obwohl die 1268 erbaute Anlage eine der schönsten ist, die ich auf meiner Reise besucht habe.

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Reliefs erzählen Geschichten aus der Bhagavata Gita

Die Reliefs, die angeblich auf die Arbeit eines einzigen Mannes namens Malitamba zurückgehen, erzählen die kleinen und großen Geschichten aus den verschiedenen indischen Legenden und Mythen. Beispielsweise aus dem Ramayana-Epos, in dem der große Held Rama mit Hilfe seines treuen Dieners, dem Affengott Hanuman, gegen den Dämonenkönig Ramayana kämpft. Der hat Rama’s Geliebte, die schöne Sita entführt. Und aus der Bhagavata Gita, der meist gelesenen Schrift in Indien, die das Zwiegespräch von Krishna mit seinem Schüler Arjuna wiedergibt und die auch zur Pflichtlektüre eines jeden Yogi gehört. Um die Geschichten zu „lesen“, schlendert man im Uhrzeigersinn an den Reliefs entlang. Wir haben uns darauf beschränkt, ein paar Kapitel zu „lesen“, sonst würden wir wahrscheinlich heute noch im Kreis um den Tempel laufen und einen Drehwurm haben.

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Schuhdiebe unterwegs – wo sind meine Trekkingsandalen?

Wahrscheinlich wäre dann der ältere Herr, der sich bei unserem Anblick kurzerhand zum Schuhwächter befördert hatte, mit unseren Trekkingsandalen über alle Berge gewesen. In den Hindu-Tempeln ist es üblich, die Schuhe auszuziehen, in der Regel stellt man sie in ein Regal oder parkt sie irgendwo vor einem Eingang. Kostenlos. Uns wollte der gute Mann Geld abknöpfen. Obwohl ganz klar war, dass alle anderen nichts bezahlen mussten. Wir zahlten ihm auch nichts. Hätten wir aber mal besser gemacht. Denn als wir zurückkamen, waren sowohl der selbsternannte „Lord of the shoes“ als auch unsere Schuhe weg. Den Rest des Tages barfuß zu verbringen war wenig verlockend. Zumal ich außer meinen Wanderstiefeln, ausgelatschten Turnschuhen und einem Paar Flip-Flops ansonsten auch kein weiteres Schuhwerk auf der Reise dabei hatte. Mir ist immer noch schleierhaft wie, aber nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir unsere Schuhe dann tatsächlich wiedergefunden, weit ab von dem allgemeinen „Schuhlager“. Ich weiß nicht, wer ein schlechteres Karma bekommen hat – wir, weil wir uns trotz der vergleichsweise läppischen 50 Rupien nicht abzocken lassen wollten, oder der vermeintliche Schuhaufpasser, weil er uns aus Rache diesen Streich gespielt hat. Meine Trekkingsandalen stehen jedenfalls schon parat für die anstehende Reise, ich werde sie beim nächsten Tempelbesuch hüten wie meinen Augapfel!

Vielleicht schaffe ich es noch, in den nächsten Tagen vom Abenteuer „Zugfahren in Indien“ zu berichten. Nach meinen Tagen in Mysore standen nämlich die Tempelruinen von Hampi auf dem Programm. Um dorthin zu kommen, musste ich eine Zugfahrt nach Bangalore und eine Nachtzugfahrt nach Hospet hinter mich bringen. Ansonsten lesen wir uns spätestens Mitte April wieder, wenn ich zurück bin aus „Incredible India“, stay tuned!

P.S. Eine der Relief-Figuren aus dem Keshava-Tempel habe ich übrigens für zwei meiner Acrylbilder zweckentfremdet – für eine Szene an den Ghats von Varanasi und eine in den Höhlentempeln von Elephant Island.

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4 comments

  1. Die Fotos sind sehr schön geworden.

    Apropos: Nirgendwo ist Bahnfahren spannender als in Indien, finde ich. Da kann man noch richtige Abenteuer erleben … 🙂

  2. danke! indien ist aber auch wirklich wahnsinnig fotogen 😉 ich bin schon auf die anstehenden zugfahrten gespannt, wahrscheinlich möchte ich auf der 20-stündigen zugfahrt von bodhgaya nach pushkar bzw. ajmer schon in varanasi aussteigen …

  3. m

    viel spass auf deiner indienreise liebe alex! und weiterhin so wunderschöne fotos und blogs!

  4. vielen dank, liebe margret! langsam aber sicher bin ich im reisefieber, es kann losgehen 🙂

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