Backwaters Teil II: Jetzt heißt es selber paddeln!

Nach einem Ausflug in die Welt der Literatur und einem Besuch bei Amma im Zenith geht’s heute zurück ins südindische Kerala in die Backwaters. Ich hätte es durchaus noch ein paar Tage länger auf der „Pride“, dem Hausboot meines Landlords Johnson, ausgehalten. Im Schaukelstuhl sitzen und Fresh Lime Soda trinken, in der „Lounge-Ecke“ auf dem Oberdeck lümmeln, Banana Fritters essen und einen heißen Masala Chai schlürfen, den Menschen auf den vorbeifahrenden Booten winken oder einfach nur die tropische Landschaft genießen. Ein Träumchen!

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Leider hieß es für mich am Abend „runter von Bord“, nachdem die einzige Kabine schon von dem amerikanisch-tibetischen Pärchen belegt war. Immerhin konnte ich noch den Sonnenuntergang vom Oberdeck aus genießen. Dann fuhr mich der Rikschamann von Mittags zurück zum Guesthouse. Anstatt eines 9-gängigen Dinners bei Kerzenschein auf der Pride warteten ein paar vertrocknete Kekse in meinem Zimmer bei Johnson. Das Guesthouse war leider weit weg vom Schuss, es lag in einem Wohnviertel, wo es weit und breit kein Lokal gab und auch keine Rikscha, mit der ich in die Stadt hätte fahren könnte. Das Barbecue, das angeblich jeden Abend im Garten stattfand, fiel heute aus. Von Johnson weit und breit keine Spur. Nur der Hund lag im Wohnzimmer vor dem vermotteten Sofa.

Egal, ich war sowieso noch satt von dem üppigen Mittagessen. Also zog ich mich in mein Baseball-Zimmer zurück. Anstatt mit dem Zirpen der Grillen und dem Plätschern des Wassers einzuschlummern, versuchte ich das Summen der Moskitos zu ignorieren und dachte mir, wie man wohl auf die Idee kommt, ein Zimmer mit einer Baseball-Ausrüstung zu dekorieren. Die Schläger und die Helme waren irgendwie furchteinflößend. Vielleicht kam da auch ein altes Trauma hoch. Als kleines Mädchen hatte ich einmal beim Besuch meiner Verwandten in Atlanta von einem meiner Cousins einen Baseball aufs Auge bekommen. Natürlich unabsichtlich. Aber ich lief zwei Wochen mit Veilchen herum.

Ich war froh, dass das Barbecue ausgefallen war. Das Frühstück bei Johnson war jedenfalls schauderhaft. Ich war vielleicht ein bisschen verwöhnt von den ganzen Joghurt-mit-Granola-und Pancake-Lokalen in Varkala und den veganen Köstlichkeiten bei Amma. Und ich hätte auch ahnen können, dass es im tropischen Alleppey keinen Ziegen-Gouda oder Manchego gab, als ich Toast mit Butter und Käse bestellte. Trotzdem bereute ich meine Bestellung, als ich die eingeschweißten Scheibletten neben der ranzigen Butter auf dem Teller sah. Scheibletten hatte ich seit meinem letzten Hawaii-Toast in den Achtzigern nicht mehr gegessen. Und seitdem mir ein Ex-Marketier von Hochland einige Einblicke in die Zutaten von Schmierkäse und Co gegeben hat, frage ich mich, wie man so etwas freiwillig essen kann. Aber der Hunger trieb’s rein. Die Marmelade sah irgendwie nicht besser aus. Wer weiß, wann es das nächste Mal was zu essen gibt.

Das Guesthouse hatte über Nacht Zuwachs bekommen. Nach und nach tauchte ein gutes Dutzend Jungs im Abiturientenalter in der Küche auf. Die hatten das Hausboot für die nächste Nacht gechartert – wo wollen die denn bitte alle schlafen? – und sollten jetzt mit auf den Kanutrip kommen. Der ließ jedoch noch eine ganze Weile auf sich warten. Die Jungs waren Langschläfer und bis alle ihren Scheibletten-Toast gegessen hatten, hatte ich schon die dritte Tasse Tee getrunken. Wir verteilten uns auf vier Rikschas. Yippieh, endlich ging’s los. Weit gefehlt. Wir mussten erst einmal am nächsten Liquor Store anhalten. An Bord gab es nämlich keinen Alkohol und die Jungs bevorrateten sich erst einmal mit diversen Kartons Bier und Hochprozentigem. Wahrscheinlich nur, um die Moskitos in Schach zu halten. Was für ein Timing. War ich froh, dass dieser Kelch an mir vorüber ging und ich einen ruhigen, entspannten Tag mit dem netten Pärchen verbringen konnte. Ich bekam auch einen Karton Bier zwischen die Füße geklemmt und los ging’s.

Ich nutzte die Fahrt zur Anlegestelle, um meine nächste Unterkunft klar zu machen. Ich hatte es immer noch nicht geschafft, mir endlich eine lokale SIM-Karte zu kaufen, doch der Rikschafahrer war so nett, mir sein Handy zu borgen, so dass ich kurz in Fort Cochin anrufen konnte, um mich im Spencer Home einzuquartieren. Schön, die hatten noch ein Zimmer für mich frei!

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Auf der Pride gab es dann fliegenden Wechsel. Meine neuen „Buddies for the day“ fielen wie die Ameisen auf dem Hausboot ein, auf dem es gestern noch so idyllisch zuging. Die ersten Bierkartons wurden geöffnet und schon mal die Lage gecheckt, in welcher Ecke auf Unterdeck man wohl am besten sein Nachtlager einrichten kann. Betten gab es wie gesagt nur für zwei Personen. Ein paar Hundert Meter weiter stiegen wir dann um in die Kanus. Das Bier blieb auf der Pride. Dafür schienen die drei älteren, zahnlosen Männer, die schon auf uns warteten und uns durch die kleinen, verzweigten Kanäle der Backwaters schippern sollten, ein wenig Dope in ihren selbstgedrehten Zigaretten verarbeitet zu haben. Jedenfalls fanden sie es sehr lustig zu versuchen, das jeweils andere Kanu unter Wasser zu setzen oder zum Kentern zu bringen.

Zwischendurch mussten unsere Skipper sich immer wieder ausruhen und wir mussten selber paddeln. So hatte ich mir die Backwaters vorgestellt: Wir glitten gemütlich vorbei an Bananenplantagen, an Reisfeldern, an kleinen, bunten Häusern, an Wäscheleinen mit farbenfrohen Saris. Wir beobachteten, wie am Fluss Wäsche gewaschen wurde, wie Fischernetze zusammengelegt wurden, die Männer, die auf dem Reisfeld arbeiteten, unter dem Schatten der Palmen Mittagspause machten. Ein farbenfrohes Schauspiel, inmitten einer tropischen Kulisse, seht selbst:

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Nach dieser schönen Paddeltour überließ ich die Pride den Jungs. Und ich fuhr weiter nach Fort Cochin. Wen ich dort alles traf und wo es den besten Kuchen gab, erfahrt ihr nächste Woche, stay tuned!

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4 comments

  1. B

    ich kann es kaum erwarten ! hoffentlich vergehen die nächsten Tage schnell, ich freue mich schon auf die Fortsetzung !

  2. am sonntag geht es weiter 🙂

  3. B

    dann bis bald ! 🙂 wünsche Dir alles Gute auf der Weiterreise…..

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