OscarWilde_Quote

Ob ich eigentlich immer alles sofort aufschreibe, was ich auf meinen Reisen erlebe, werde ich immer wieder gefragt. Ansonsten könne ich mir doch die ganzen Geschichten, Orte, Personen und Details sicherlich nicht merken. Tatsächlich habe ich immer mein großes, schwarzes Notizbuch in der Tasche, nicht nur auf Reisen, auch hier zu Hause in München. Wenn ich daheim für andere Redaktionsjobs auf Recherche gehe, mache ich mir immer Notizen, notiere meine Eindrücke, schreibe einige „Facts & Figures“ auf. Doch wenn ich auf Reisen bin, ist mein Kopf am Ende eines erlebnisreichen Tages meistens zu voll und unsortiert, um mein Tagebuch zu befüllen. Wenn ich mir etwas besonderes merken möchte, einen Namen, eine Information, eine Aussage, die mich nachdenklich stimmt, dann schreibe ich mir es tatsächlich auf. Oder jemand anderes notiert hilfreiche Tipps für meine nächste Destination in mein Moleskine-Buch. Wie die nette Chinesin, die ich in Rishikesh kennengelernt hat. Sie hat länger in Shanghai gelebt und mir aufgeschrieben, welche Restaurants ich unbedingt besuchen muss.

traveldiary

Doch akribisch Tagebuch führen, um daraus später meinen Blog zu bestücken – nein. Bei mir funktioniert das Schreiben anders. Wenn ich vor meinem Notebook sitze, mir nochmals meine Fotos anschaue und ein bisschen in meinen Travel Guides blättere, sind die Erinnerungen sofort wieder da. Die Gerüche, Farben und Geräusche. Die Gesichter. Die Orte, die Namen. So wie jetzt. Ich klicke gerade durch die Fotos, die ich auf dem Hausboot in Srinagar in Kaschmir gemacht habe, meiner nächsten Destination nach meinen vier Wochen in Ladakh. Und blättere in dem Roman, der mich vor einigen Jahren zu meiner Reise nach Ladakh und Kaschmir inspiriert hat, „The Kashmir Shawl“. Und mache mich nochmals schlau zu den Hintergründen des Kaschmir-Konflikts. Und schon bin ich wieder mitten drin. Schon sehe ich mich mit meinem dampfenden Kaschmiri-Tee auf dem Deck der „Lily of Nageen“ sitzen, den Kingfisher-Vögeln zusehen, wie sie zum Landeanflug auf einer der vielen Lotusblüten auf dem Nageen Lake ansetzen, dem Blumenverkäufer auf seiner Shikara freundlich zuwinken, der jeden Morgen hier vorbei kommt, und mir ab und zu eine einzelne, bunte Blume für meinen Frühstückstisch schenkt.

flowerman-nageenlake

Wie ist es bei Euch? Führt Ihr Tagebuch auf Euren Reisen? Lest Ihr Euer spannendes Reisetagbuch im Zug, wie Oscar Wilde? Oder entspinnen sich Eure Reisegeschichten wie bei mir, zunächst im Kopf aus der Erinnerung?

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