Nach dem Ashram ist vor dem Ashram – wir fahren zu Amma, der „hugging mother“

Nach einer Woche Strandleben und Kuchen essen in Varkala war es Zeit für einen Ortswechsel. Next Exit: Amritapuri, ein kleines Dörfchen gut eine Stunde nördlich von Varkala, idyllisch gelegen auf einer palmengesäumten Landzunge zwischen den berühmten Backwaters und Arabischem Meer. Amritapuri ist die Heimat von Sri Mata Amritanandamayi Devi, bekannter als Amma, die Mutter. Vielleicht hat der ein oder andere schon von der kleinen, imposanten Dame aus Kerala gehört oder sie sogar auf einer ihrer Touren live erlebt.

Amma ist eine der wenigen weiblichen Gurus in Indien und wird dort wie eine Heilige verehrt. Auch im Westen hat sie viele Anhänger. Ihr Beiname „the hugging mother“ kommt nicht von ungefähr: Amma teilt Umarmungen aus. Schon als Jugendliche soll sie den Menschen in ihrem Dorf Trost gespendet haben, indem sie sie in den Arm nahm. Einige glauben, dass sie damit sogar Krankheiten heilen und Wünsche erfüllen kann. Nun ja … die Pilger in Altötting glauben das wahrscheinlich auch, ich bin da trotz meiner Yoga-Affinität wohl doch zu geerdet. Aber ich war trotzdem neugierig!

Heute hält Amma auf der ganzen Welt öffentliche Dharshans ab, in ihrem Ashram in Kerala, oder wenn sie mal wieder durch die USA, Australien oder Europa tourt. Jedes Jahr strömen Tausende und Abertausende Anhänger zu einer der Massen-Umarmungen, auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung oder in der Hoffnung, dass ihre Sorgen und Probleme durch einen „hug“ von Amma zumindest ein bisschen kleiner werden. Mittlerweile hast Amma angeblich über 30 Millionen Menschen an ihre Brust gedrückt, unvorstellbar! Im Oktober kann man sich übrigens wieder im Zenith in München eine Umarmung abholen!

Ich hörte 2006 zum ersten Mal von Amma. Auf meiner ersten Indienreise las ich den Bericht einer jungen Australierin, die ihrem Freund für zwei Jahre nach New Delhi folgte und sich mit Rucksack und Zug auf Erkundungstour durch das spirituelle Indien machte. Das Buch kann ich übrigens wärmstens empfehlen, „Holy Cow“ von Sarah MacDonald, sehr kurzweilig, mitreißend und höchst amüsant. Bei ihren Begegnungen mit Swamis, Gurus, Yogis und Bollywoodstars traf Sarah auch auf Amma und reihte sich in die Massen ein, die sich an Ammas Brust warfen. Man soll sich dabei übrigens etwas wünschen. Hier ein kleiner Einblick, was Sarah dabei so in den Sinn kam:

holy-cow-cover

„At five I’m up on stage. The helpers were even pushier than before. I tell one that Amma hasn’t told me yet what God wants. ‚Ask her for something more superficial, hurry up, quickly.‘ I’m knocked to my knees and my head is again in the vice. I don’t have time to think. But I’m feeling cheeky. ‚Amma‘, I say in my head, ‚give me bigger boobs.‘ I’m pulled out before I even register the hug, the kiss and the divine ditty.“

Ob ich ähnliche Wünsche wie Sarah hegte, verrate ich jetzt nicht! Eigentlich hatte ich auch gar nicht vor, schon wieder in ein Ashram einzuziehen. Aber wieder einmal ließ ich mich von anderen Travellern inspirieren. Kyra, eine meiner Mitstreiterinnen bei den Sivanandas, hatte ein paar Tage in Amritapuri verbracht und meinte, wenn ich schon einmal in der Nähe sei, dürfe ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Also fügte ich meiner immer länger werdenden „must see“-Liste einen Besuch bei Amma hinzu. Ob ich das alles noch schaffte bis Weihnachten?

Wie gut, dass mittlerweile auch die Gurus und Ashrams „voll vernetzt“ und im World Wide Web zu Hause sind. So konnte ich meine nächste Station strategisch planen. Auf Ammas Homepage erfuhr ich, dass sie in den nächsten Tagen von ihrer USA-Reise zurück erwartet wurde. Perfektes Timing! Ich konnte mich direkt online registrieren und so stand meinem nächsten Abenteuer nichts mehr im Wege. Ich fand sogar eine Begleitung: Sîan aus Kapstadt, die ich ebenfalls im Sivananda-Ashram kennengelernt hatte, wollte mitkommen.

Von Varkala sind es nur 60 Kilometer bis Amritapuri und ich hatte schon recherchiert, wie ich mit dem Zug nach Kottayam und von dort mit dem Boot über die Backwaters in das Ashram komme. Sîan hatte jedoch eine viel bessere Idee. Der Besitzer vom Baby House, dem Hotel in dem sie wohnte, verdiente sich noch ein bisschen zusätzliches Geld als Taxifahrer. Er würde uns für 1.000 Rupien direkt zum Ashram bringen. Nach einem letzten Fruchtshake im Juice Shack verabschiedeten wir uns also von Varkala. Unsere zahlreichen Taschen und Rucksäcke passten kaum in den kleinen Fiat Uno mit den schwarz getönten Scheiben, der seine besten Tage schon hinter sich hatte. Denn der Fahrer brachte noch seinen Bruder oder Cousin mit, wir zwei Mädels mussten uns mitsamt Gepäck auf die Hinterbank quetschen. Bequemer als Zug und Bus war es aber wahrscheinlich schon.

Und wir konnten noch einen Boxenstopp am Bankautomaten einlegen, um unseren Rupienvorrat aufzustocken. Und zu einem kleinen Mittagessen einkehren. Im Gegensatz zu den Touri-Lokalen in Varkala war das Restaurant an der Hauptstraße Richtung Kottayam typisch indisch. Wirklich einladend sah es nicht aus. Eine Speisekarte gab es nicht. Mittags gab es Dal Fry mit Chili und Naan Bread, Nachschlag so viel man wollte. Die Bedienung lief mit einer Blechschüssel durch das Lokal und füllte die Blechteller auf. Unser Linsenbrei war nur noch lauwarm, erhöhte Magenverkorksgefahr. Wir fragten nach frischem Dhal, und überstanden das Mittagessen und auch die wackelige Autofahrt zum Glück ohne Zwischenfälle. Die Fahrt zog sich ganz schön, was zum Teil daran lag, dass sich unser Fahrer entgegen seiner Behauptungen nicht wirklich auskannte. Wir kurvten auf der Landzunge herum, fragten hier, fragten da.

Irgendwann tauchten aus dem Nichts drei riesige, ferkelrosa gestrichene Hochhaustürme auf. Waren wir hier richtig? Das Schild am Tor zeigte uns, dass wir hier richtig waren. Willkommen im Amma Ashram! Was wir hinter den Toren vorfanden, welche bekannten Gesichter wir auch hier wieder trafen und ob uns Amma auch an ihre Brust drückte, erfahrt ihr im nächsten Beitrag. Also, surft mal wieder hier vorbei!

amma-ashram-river-view

Zu guter Letzt noch ein kleiner Auszug aus „Holy Cow“ – wo Sarah recht hat, hat sie recht :-).

„I opened my eyes to see Barbie’s world. Mata Amritanandamayi Math, the main ashram of the Divine Mother, is a candy-coloured kingdom. Nearly everything is pink – the phallic fifteen-storey high accomodation tower, the hospital, the Ayurvedic centre, the shops, the canteen and even the temple. … The Hindu temple looks like a pile of giant cupcakes topped with marshmallows.“

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4 comments

  1. Unglaublich, aber ich lag auch schon in ihren Armen. Was soll ich sagen… der große Paukenschlag blieb aus. Vielleicht wegen des fehlenden Placebo-Effekt, sprich mangeldem Glauben.

  2. ja, das ist schon eine große schau mir dem busseln und umarmen 😉 ich werden dann berichten, was ich dort so erlebt habe!

  3. M

    Hallo Alexandra, herzlich willkommen bei den IronBloggern, wenn ich das richtig sehe, diese Woche zum ersten Mal. Ich lese deine Berichte gerne – auch wenn mir die Welt der Heilssucher immer fremd bleiben wird – egal ob in Altötting oder in Hinterindien. Darin bestätigt mich auch der aktuelle Spiegel wieder mit seiner unbedingt lesenswerten Geschichte über die Geschichte des Yoga und der indischen Spiritualität (Nr. 31, v. 29.7.13, S. 96). Wenn man dazu noch den herrlichen Film „Sommer in Orange“ sieht… Ich bin trotzdem gespannt, wie deine Reise weitergeht. Schöne Grüße, Markus

  4. Hallo Markus, freut mich, dich zu meinen Lesern zu zählen! Ich finde die Idee mit den IronBloggern klasse und freue mich, dabei zu sein! Leider habe ich es zum Treffen nicht geschafft. Ja, das Thema Yoga und Spiritualität ist so eine Sache. Ausprobieren, aber mit gesundem Abstand und alles nicht so ernst nehmen war meine Devise. „Sommer in Orange“ ist einfach kultig, habe ich kürzlich nochmal im Fernsehen gesehen. Nach dem Amma Ashram ist übrigens erst einmal Touriprogramm angesagt 😉 Schöne Grüße, Alexandra

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