Hurra, nach der frühmorgendlichen Asana-Praxis gab es endlich was für den leeren Magen! Dabei ging es zu – wie sollte es im Yogazoo auch anders sein – wie bei der Fütterung der Raubtiere. Schätzungsweise 150 ausgehungerte Yoga Vacationer und angehende Yogalehrer stürmten Richtung Dining Hall. Flip-Flops vor der Tür parken, Yogamatte in die Ecke werfen, Geschirr schnappen und prüfen, ob’s einigermaßen ordentlich gespült war, und einen Platz auf den Bastmatten suchen, die schon auf dem blau gefliesten Boden ausgerollt waren.

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Hoffentlich gibt’s wieder Papadam. Die knusprig frittierten Fladen aus Linsen- und Reismehl waren das einzig Würzige und Fettige, das die Ashram-Küche im Angebot hatte. Denn der Chef de Cuisine achtete streng darauf, nach den Ernährungsregeln von Swami Sivananda zu kochen. Ein Geschmacksfeuerwerk war es somit nicht, was auf den Thali-Teller kam. Denn auf dem yogischen Speisezettel hatten weder scharfe Gewürze noch aromagebende Zutaten wie Zwiebeln und Knoblauch Platz. Diesen Knollengewächsen wird eine ähnliche Wirkung wie Alkohol nachgesagt; sie versperren einem angeblich den Weg zur Meditation und Selbsterkenntnis. Hm, einen Rausch hatte der köstliche Gyros-Teller mit Tzatziki bei meinem Lieblingsgriechen in der Herzogstraße bei mir noch nicht erzeugt, allenfalls der Demestica, der süffige, rote Hauswein. Aber gut …

Die Erleuchtung stellte sich trotz Zwiebel- und Knofi-Abstinenz nicht ein und auch der Verzicht auf kleine kulinarische Sünden wie meinen geliebten Cappucchino und die tägliche Ration Schoki brachte mich diesbezüglich irgendwie nicht weiter. Vielleicht lag es an der Überdosis Reis jeden Tag. Aus Angst, mit nur zwei Mahlzeiten am Tag zu verhungern, ließ ich mir immer einen ordentlichen Nachschlag geben. Genau wie von dem rohen Rote-Bete-Salat, obwohl ich eigentlich gar keine Rote Bete mag. Der war wenigstens erfrischend und knackig, im Gegensatz zu dem eher etwas laschen, Dritte-Zähne-tauglichen Gemüseeintopf, den es jeden Tag gab. Was hätte ich für eine Portion Pasta gegeben … Aber ich war ja nicht zum Spaß hier! So aß ich tapfer jeden Tag meinen Reis und mein Gemüse und freute mich auf die Erdnussbällchen, die ich in unserem Zimmer gebunkert hatte.

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Eine gemeinsame Mahlzeit, und dann noch mit so vielen Mitessern, ist eigentlich eine gesellige Angelegenheit. Nicht so im Ashram. Hier ist beim Essen „mouna“ angesagt, achtsames Schweigen. Eigentlich. An die Säulen und Wände des Speisesaals hatte man Zettel geheftet, die den geschwätzigen Yoga Vacationer daran erinnern sollten: „Please eat in silence“. Diese Aufforderung wurde jedoch geflissentlich ignoriert. Während wir warteten, dass der Küchendienst mit seinen Blecheimern und dem Tee anrückte, wurde geschnattert und geplaudert, was das Zeugs hält. Wer bist denn du? Wo kommst du her? Ob es heute mal ein anderes Gericht gibt? Bis der Speisesaalchef wieder mit seinem durchdringenden Bariton eingreifen musste. „Siiiilllleeeeenncccceeeeee pllleeeeaaaassseeeee“. Zumindest für die nächsten fünf Minuten wurden die Münder etwas stiller.

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Mittlerweile war es schon fast 11 Uhr. Eigentlich Zeit für ein kleines Päuschen, schließlich waren wir schon seit Stunden auf den Beinen. Nix da, Pause gab es keine. Erst einmal das Geschirr abwaschen (unter kaltem Wasser und anstatt Pril gab es ein Paste aus Kichererbsenmehl, um die eingetrockneten Essensreste vom Teller zu entfernen) und dann hieß es erst einmal „Tue deinen Nächsten etwas Gutes“, Karma Yoga! Im nächsten Beitrag wird dann endlich das Geheimnis gelüftet, welche Aufgabe mir hier zuteil wurde!

P.S. So hübsche Arrangements mit besonderen Köstlichkeiten auf einem Bananenblatt gab es nur an hohen Festtagen wie zu „Krishnas Hochzeit“, mehr zur Hochzeit des Kronprinzen mit seiner wunderschönen Prinzessin bald in diesem Blog!

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