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Das Restaurant im Bay 15 – ein Yogi auf kulinarischen Abwegen

Nach einem Monat sattvischer Kost in meiner Yogalehrerausbildung bin ich bereit. Bereit für kulinarische Sünden. Für Gaumenfreuden, auf die man als guter Yogi eigentlich verzichten sollte. Bereit für ein ordentliches Stück Fleisch. Am besten gegrillt. Bereit für fangfrischen Fisch. Ebenfalls gegrillt oder würzig mariniert im Tandoori-Ofen zubereitet. Bereit für ein Gläschen Wein. Bei den Temperaturen in Goa am besten ein gut gekühlter Weißwein. Oder, sollte ich mich für das Lammfilet entscheiden, vielleicht doch ein Rotwein. Den habe ich mir verdient nach all den Wochen mit Ingwertee und lauwarmem Wasser. Okay, ich hatte auch jeden Tag Kaffee. Ebenfalls nicht wirklich yogisch … Aber irgendwo musste die Energie für die 1697 Chatturangas und die nach unten und oben schauenden Hunde und die fünfstündige Asanapraxis pro Tag ja herkommen.

Im Bay 15 am Odxel Beach bin ich mit meinen Wünschen und kulinarischen Gelüsten bestens aufgehoben. Denn neben dem jüngsten Zuwachs – den im Boutique-Stil eingerichteten Holz-Cottages des angeschlossenen Resorts, das seit Januar dieses Jahres Übernachtungsgäste beherbergt – ist das Bay 15 vor allem als Feinschmeckerlokal mit einer hervorragenden Küche bekannt. Und das nicht nur in Dona Paula oder im benachbarten Panjim. Dort, wo sich früher ein Ableger der lokalen Don-Bosco-Schule für Jungen befand, treffen sich heute die Hippen und die Chicen aus ganz Goa, sei es im Harbour Grill an der kleinen Promenade direkt am Meer oder in einem der beiden Lounge Restaurants auf dem Upper Deck.

Bei den einheimischen Gästen sind die Spezialitäten aus dem Mittelmeerraum am beliebtesten, erfahre ich vom Food & Beverage Manager des Bay 15. Doch auch die Fischgerichte und Meeresfrüchte, die goanisch als „carfrael“, „recheado“ oder „masala“ zubereitet werden, stehen ganz hoch im Kurs. Für Gäste, die es klassischer mögen, hat das Bay 15 eine „Pan Indian“-Karte im Angebot, die einen kulinarischen Querschnitt durch den Subkontinent bildet – angefangen von der Mogulküche des Nordens über Gerichte aus dem Punjab bis zur kokosnusslastigen Küche Keralas.

Ich liebe die indische Küche, doch vor allem nordindische Gerichte wie Paneer Butter Masala und Co sind mir bei den hitzig-schwülen Temperaturen, die hier auch am Abend noch herrschen, oftmals zu deftig und zu üppig. Die goanische Küche ist mir einen Tick zu scharf. Und zu schweinefleisch- und würstchenlastig – ein Erbe der Portugiesen, deren Spuren in der goanischen Küche auch heute noch sehr markant sind. Aber was wäre ein Aufenthalt in Goa, ohne die einheimischen Spezialitäten zu probieren? Vielleicht gibt es ja auch milder gewürzte Gerichte. Und ich habe ein wunderbares Getränk auf der Karte entdeckt, mit dem man die Schärfe sicherlich gut abmildern kann: Eine cremige Mandelmilch, abgeschmeckt mit einer Prise Safran.

Während meiner drei Tage im Bay 15 habe ich ausreichend Gelegenheit, mich durch die drei Speisekarten zu probieren. Die Qual der Wahl ist groß. Es locken frische, bunte Salate. Das klingt zwar nicht besonders exotisch, doch dann und wann lechze ich auch auf meinen Reisen nach westlichem Essen. Besonders nach frischer Rohkost. Also starte ich meine Menüs Mittags und Abends oft mit einem Salat wie zum Beispiel dem Spinatsalat mit Camembert und Birnenspalten. Auf die in Wein eingelegten Rosinen verzichte ich. Ich bin ein Rosinenhasser.

Als ich zur Hauptspeise das Chicken Shish Kebab mit Tabouleh und einem Dip aus Tahin wähle und dazu einen Wein bestelle, erwischt mich der Hauch eines schlechten Gewissens. Wenn mich mein Yogaphilosophielehrer sehen würde. Der mich für meine Antworten in der Prüfung im Hinblick auf die yogischen Prinzipien, die oben genannte Essensregularien umfassen, so gelobt hat. Egal. Er muss es ja nicht wissen. Aber einmal ist keinmal. Also probiere ich im Laufe meines Aufenthaltes auch das Lamb Kebab, das mit sautierten neuen Kartoffeln, gegrillten Zucchini und einer köstlichen Minzsoße serviert wird. Und das Beef Chilly Fry von der goanischen Karte, mit Zwiebeln, Tomaten, Chili und goanischen Gewürzen. Zwiebeln sind in der yogischen Diät eigentlich auch verpönt, ebenso wie Knoblauch. Man sagt diesen zwei Knollen eine ähnlich anregende Wirkung wie Alkohol nach. Das kann ich nicht unterschreiben. Den australischen Shiraz, den ich zu meinem Beef Chilly Fry genieße, das ebenso wie das Lamm und das Hühnchen auf der Zunge zergeht und raffiniert gewürzt ist, spüre ich da schon eher.

Die mediterrane Karte enthält übrigens aus gutem Grund so viele Kebabs und arabisch angehauchte Vorspeisen wie mit Pinienkernen und Reis gefüllte Weinblätter, marokkanische Shrimps mit gegrillten Paprika und Muhammara Dip oder Lammköfte. Der zuständige Chefkoch hat mehrere Jahre auf den Malediven gearbeitet und die muslimischen Einflüsse mitgebracht in die Küche des Bay 15. Und ein wunderbares Rezept für den Kingfish kreiert. Der Fisch hat eine dunkle Kruste und wird mit Zaatar Shrimps, Cous Cous mit Petersilie und einer Tapenade aus Oliven serviert. Ich bin immer noch hin und weg. Genauso wie von den knusprigen Calamari mit einer Orangen-Hollandaise und Fattoush-Salat. Die Calamari sind butterzart und die Panade knusprig-würzig, der Dip ein Hit!

Ich traue mich dann doch noch an etwas scharfes aus der goanischen Karte heran. Zwar habe ich schon leichte Sorge, bei dem vielen Fisch einen Eiweißkoller zu bekommen, doch was ist ein Aufenthalt am Meer ohne Fisch und Meeresfrüchte? Also landet auch am nächsten Mittag eine Portion auf meinem Teller, nochmals Calamari, dieses Mal goanisch zubereitet als kalte Vorspeise à la „recheado“. Mein Gaumen brennt immer noch ein wenig. Auch nach drei Monaten in Indien scheinen meine Geschmacksknospen immer noch etwas westlich ausgerichtet zu sein. Doch dem Genuss hat es keinen Abbruch getan. Und eine Portion der feinen, hausgemachten Eiscreme aus Kokosnuss und Jaggery von der Dessertkarte ist bestens geeignet, den Brand zu lindern!

Und jetzt habe ich natürlich schon wieder Hunger. Mal sehen, ob ich hier am Flughafen in Bangalore vor meinem Flug nach Delhi noch etwas auftreiben kann. Die Pappsandwiches der Bordküche von IndiGo locken mich nicht wirklich …

*Vielen Dank an Bay 15 – A jüSTa Resort für die Einladung. Der Text spiegelt meine eigene Meinung wider.

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