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Essen wie Lord Shiva in Frankreich: Le Dupleix in Pondicherry

Nach dem Besuch in Pondicherry während meines #YouWanderWePay-Abenteuers habe ich noch mehr Diätanzeigen auf Facebook angezeigt bekommen als sonst – den zahlreichen Posts mit Fotos kulinarischer Leckerbissen sei Dank. Tatsächlich haben meine französische Co-Bloggerin Ami und ich einen guten Teil unserer drei Tage in der ehemaligen Hauptstadt Französisch-Indiens mit Essen zugebracht. Schließlich war eine unserer Missionen herauszufinden, inwieweit die Küche in Pondicherry vom Erbe der französischen Kolonialherren beeinflusst ist und ob es eine echte französisch-indische Fusion-Küche gibt. Wer meinen Artikel auf dem Blog von India Someday gelesen hat, kennt das Ergebnis.

Mich hat Pondicherry und vor allem das französische Viertel mit seinen herrschaftlichen Kolonialgebäuden und hübschen, kleinen Cafés so um den kleinen Finger gewickelt, dass ich nochmal zurück kommen musste. Ich habe dieses Mal eine ganze Woche in Pondicherry verbracht. Und ich muss meine Aussage revidieren. Ich habe sie tatsächlich doch noch gefunden, eine französisch-indische Küche, die das Label „Fusion Food“ verdient. Einer Einladung in das Restaurant des Kolonialhotels „Le Dupleix“ und den Einblicken, die mir Prabhu Dhananjayam, der Chef de La Cuisine, in die Küche des Traditionshauses gewährt hat, sei Dank.

Le Dupleix – koloniale Architektur  gemixt mit indischer Baukunst

Bevor ich mich von Prabhu’s Kochkünsten überzeugen kann, bekomme ich noch eine Führung durch das Hotel. Das Le Dupleix ist nicht nur eines der ältesten Hotels in Pondicherry – es gehört heute zu den Top-Adressen für alle, die stilvolle Boutique-Hotels mit Atmosphäre mögen. Das 190 Jahre alte Gebäude atmet Geschichte an jeder Ecke. Schon wenn man durch das alte Holztor in den schönen Innenhof schreitet, kann man sich gut vorstellen, wie der französische Gouverneur Dupleix, nach dem das Hotel benannt ist, und seine Generäle nach einem feudalen Mahl mit Coq au Vin den Abend bei einer Zigarre und Rotwein haben ausklingen lassen.

Bei der Renovierung des Hauses hat man sich von den Baukünsten der tamilischen Handwerker des 18. Jahrhunderts inspirieren lassen und viel Wert darauf gelegt, möglichst viel Originales zu bewahren. Dazu gehört nicht nur das „Chettinad Egg Plaster“, eine Paste aus Eiweiß, Joghurt und Limettensaft, mit der die Wände verputzt wurden, sondern auch die vielen Holzarbeiten. So stammen beispielsweise viele der Holzschnitzereien aus der Residenz des Gouverneurs in der Nehru Street fünf Gehminuten vom Le Dupleix – ein Paradebeispiel französisch-indischer Holzkunst. Die Zimmer sind ein Traum – gerne würde ich einmal in einem der Himmelbetten übernachten und morgens auf einer der Chaiselongues auf der Veranda meinen Tee schlürfen und den neuen Tag begrüßen.

LeDupleix_Hotel_Bed

LeDupleix_Hotel_Sitting

LeDupleix_Chaiselongue

Pondicherry Fusion Food – französische Rezepte, indische Gewürze

Doch jetzt geht es erst einmal zum Essen. Und vorher noch einen Blick in die Governor’s Lounge und die gut bestückte Bar werfen. Schön kühl ist es hier, doch als Frischluftfanatikerin sitze ich sogar bei schwülen 32 Grad lieber draußen. Und der Governor hatte damals auch keine Klimaanlage! Das Restaurant des Le Dupleix ist vor allem für sein Hummer-Special jeden Freitag bekannt. Die roten Tierchen mit den langen Beinen locken in erster Linie einheimische Touristen an, die mit viel Geld in der Tasche über das Wochenende aus Chennai nach Pondicherry kommen und es sich hier gut gehen lassen.

LeDupleix_GovernorsLounge

LeDupleix_Chef

LeDupleix_Menu_Appetizer

LeDupleix_Appetizer

LeDupleix_MainCourse

LeDupleix_Dessert

Auch ich entscheide mich nach einem hervorragenden Vorspeisenteller mit raffinierten von Cornflakes ummantelten Pilzen und in Schinken eingewickelte Garnelen für Seafood. Schließlich sind wir am Meer. Prabhu, der Chef de la Cuisine, empfiehlt den „Le Dupleix House Grill“, eine Platte mit Masala Tawa Squid, Cajun Prawn, Chutney Wale Snapper, dazu Butterreis und Missi Roti. Eine exzellente Wahl – alles zart, frisch und saftig zugleich, für westliche Gaumen vielleicht eine Spur zu viel Würze. Auch nach sechs Wochen Indien kribbelt das Masala ordentlich auf der Zunge. Dazu ein schöner Tropfen chilenischer Rotwein – ich fühle mich wie Gott in Frankreich. Oder sollte ich lieber sagen wie Lord Shiva in Frankreich? Der Hindugott ist zwar mehr dem bewusstseinserweiternden Ganja zugetan, doch ich könnte mir vorstellen, er hätte auch an dem hervorragenden Essen im Le Dupleix seine Freude.

Was macht die Küche im Le Dupleix so besonders, möchte ich von Prabhu wissen. Beim Kreieren seiner Gerichte hat Prabhu immer eine Maxime: Den lokalen Geschmack Pondicherrys bewahren, seine Frische, seine Gewürze, und dies mit französischen Rezepten und Zubereitungsweisen kombinieren. Es gibt klassische französische Gerichte auf der Karte wie eben Coq au Vin, doch die meisten Gerichte sind eine extravagante Mischung aus französischer Küche mit indischen Gewürzen und Zutaten. 80 Prozent der Gerichte sind französisch. Die übrigen tragen wohlklingende Namen wie Razam aux crevettes, Fried Nethili, Poricha Kozhi, entpuppen sich beispielsweise als frittierter Fisch mit Kartoffelstampf, aber „à l’indien“, mit vielen indischen Gewürzen. Die Rezepte tragen alle Prabhu’s Handschrift. Jeden Morgen geht er auch selbst auf den Großmarkt. Frische ist bei seinen Einkäufen das A und O, nicht nur beim Fisch, sondern auch beim Gemüse und den Kräutern. Das schmeckt man, ich bin leider schon satt von der leckeren Vorspeise, so dass ich mit der großen Portion meines Grilltellers etwas zu kämpfen habe. Doch Platz für ein Nachtisch ist natürlich noch da. Ich wähle ein frisch-fruchtiges Zitronensorbet, obwohl mich auch die Crème caramel meiner Begleitung anlacht.

Mein Fazit: Exzellente französische Küche mit indischer Würze in kolonialem Flair

Sollte es mich nochmals nach Pondicherry verschlagen, was ich für durchaus wahrscheinlich halte, werde ich dem Le Dupleix auf jeden Fall wieder einen Besuch abstatten. Es gibt noch viel zu probieren auf der Speisekarte, die im Übrigen alle vier Monate neu kreiert wird, um den saisonalen Besonderheiten Rechnung zu tragen. Und Chefkoch Prabhu versteht sein Handwerk. Seit über 17 Jahren kocht er sich durch die Welt. Die westliche Küche hat er als Koch auf einem Kreuzfahrtschiff in der Karibik kennengelernt und in London verfeinert. Vielleicht probiere ich beim nächsten Mal die „Brandy Infused Chicken Skewer“ oder das „Signature Smoked Chicken“, das vor dem Grillen in Tee mariniert wird. Oder doch die Methi Malai Jinga Kebab mit Mint Chutney? Zu viele Optionen, wie so oft in Indien …

*Vielen Dank an Le Dupleix für die Einladung. Der Text spiegelt meine eigene Meinung wider.

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2 comments

  1. Das hört sich ja ganz ausgezeichnet an und die Speisen lesen sich auch schon traumhaft. So wie auch das Ambiente aussieht. Ich habe mich sehr über den Beitrag gefreut. Köstlich, traumhaft und so atmosphärisch.

  2. liebe din, das freut mich :-). es war ein zufall, dass ich dort gelandet bin, aber es hat sich definitiv gelohnt! LG alex

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