Lustwandeln Schloss Schleißheim

Tweetwalk: #Lustwandeln in Schloss Schleißheim

Sein blaues Wunder hätte er erlebt, der blaue Kurfürst, Max Emanuel von Bayern. Da fallen an einem grauen, wolkenverhangenen Samstagmorgen 20 Social Media Freaks ein in sein illustres Heim, in die Schlossanlage Schleißheim vor den Toren Münchens. Blogger, Twitteratis und Instagrammer, ausstaffiert mit einer Fülle an technischen Gadgets, Smartphones, Tablets, Kameras, Mikrofone. Sogar das Bayerische Fernsehen ist mit von der Partie beim Tweetwalk mit dem schönen Namen #Lustwandeln, den Iron Blogger Kollegin Tanja vom Blog Kultur Museum Talk zusammen mit der Bayerischen Schlösserverwaltung organisiert hat.

Lustwandeln Schloss Schleißheim

Unter dem Motto „Barock rocks“ begeben wir uns auf die Spuren des schillernden Kurfürsten, der sich einst als Feldherr in der Schlacht um Wien einen Namen machte und sich mit dem Neuen Schloss in Oberschleißheim eine pompöse Residenz errichtete – in Erwartung auf die Verleihung der Kaiserwürde. Diese wurde ihm nicht zuteil, zu allem Überfluss übernahm sich der blaue Kurfürst auch etwas: Bevor er starb, hinterließ er dem bayerischen Volk eine Schuldenlast in Höhe von sage und schreibe 26 Millionen Gulden. Dafür dürfen wir heute die prächtige Architektur des nach dem Vorbild von Versailles erbauten Schlosses bewundern, durch den wunderbaren Barockpark lustwandeln und den historischen Obstgarten inspizieren und von den köstlichen Äpfeln naschen.

„Barock rocks“ – der schillernde Kurfürst und der Sultan

Barockmusik empfängt uns im prunkvollen Treppenhaus, wir bewundern die Wand, die wie ein Triumphbogen aufgebaut ist und das Wappen über der mittleren Arkade. Im Speisezimmer empfängt uns Max Emanuel, auf dem großen Gemälde thront er, umgeben von seinen Feldherren, zusammen mit der Gesandtschaft des türkischen Sultans Süleymān. Etwas unsicher blickt die Gesandtschaft drein, man weiß nicht recht, ob man beim Freund oder beim Feind zu Gast ist. Die Türken waren nämlich seinerzeit die Hauptfeinde Bayerns. Unsere Blicke bleiben an den Stuckköpfen hängen, „exotische Herren mit orientalischer Tracht“, erklärt uns Cordula Mauß von der Bayerischen Schlösserverwaltung, die uns weiter hinauf in die Säle im Obergeschoss führt. Nicht weniger prächtig als in den kurfürstlichen Privatgemächern geht es in der großen Galerie zu, in der alle bedeutenden europäischen Schulen aus dem 17. und 18. Jahrhundert vertreten sind. Von hier erhaschen wir schon einen ersten Blick auf den Barockgarten, der sich bis Schloss Lustheim erstreckt.

Lustwandeln Schloss Schleißheim

Lustwandeln Schloss Schleißheim

Lustwandeln Schloss Schleißheim

Lustwandeln Schloss Schleißheim

Bevor wir durch den barocken Lustgarten flanieren, gibt es einen Zwischenstopp im Gesindehaus. Über etliche Treppen und Zwischengeschosse geht es ins Dachgebälk, man führt uns durch geheime Gänge. Natürlich, ein Schloss muss Geheimgänge haben! Nach hier oben verirren sich normalerweise keine Besucher, doch für die twitternden Lustwandler wird eine Ausnahme gemacht. Die Holzbalken wurden früher übrigens mit einem Beil behauen, da es damals noch keine Sägen gab, erfahren wir. Einen schönen Ausblick hatten die Dienstboten jedenfalls, die halbrunden Fenster geben auf der einen Seite den Blick auf das Alte Schloss frei, auf der anderen Seite auf den Garten. Ebenfalls extra für uns organisiert: Einen Ausflug ganz oben aufs Dach. Inzwischen hat es unser Tweetwalk mit dem Hashtag #Lustwandeln bereits zur Nummer 1 unter den Trending Topics bei Twitter Deutschland geschafft. Kein Wunder, so fleißig wie alle in ihre Smartphones tippen und die Barockkunst von Schloss Schleißheim ins Netz bringen.

Lustwandeln Schloss Schleißheim

Lustwandeln Schloss Schleißheim

Lustwandeln Schloss Schleißheim

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Lustwandeln Schloss Schleißheim

Jetzt heißt es aber wirklich Lustwandeln. Spazieren gehen, an der frischen Luft flanieren, promenieren – im barocken Garten, der mit einer Art Gänseblümchen und Stiefmütterchen bereits winterfest gemacht wurde. Das Besondere am Hofgarten in Schleißheim: Der achteckige Grundriss und die Tatsache, dass er im Gegensatz zu vielen anderen Barockgärten von der Aufteilung nicht verändert wurde.

Lustwandeln Schloss Schleißheim

Lustwandeln Schloss Schleißheim

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Hochprozentiges aus dem Obstgarten

Schloss Schleißheim war übrigens früher auch ein Wirtschaftsbetrieb, mit Ackerbau und Viehzucht. Der Schleißheimer Käse war überregional bekannt, es muss ein parmesanartiger Käse gewesen sein, berichtet Alexander Bauer, der Hofgartenbetriebsleiter. Bis in die 1920er gab es auch eine Brauerei in Schleißheim. Bier wird hier heute keines mehr gebraut, dafür immer noch Hochprozentiges gebrannt. Unter anderem aus den Äpfeln des weitläufigen Obstgartens, durch den wir unseren Lustwandel-Tweetwalk fortsetzen. Blauer Kurfürst, Renatuswasser und Eremitentrost heißen die edlen Tröpfchen, die fern der hochwertigen Gemäldesammlung im Schloss gelagert werden. Denn Hochprozentiges ist entflammbar und ein Rubens-Gemälde in Flammen aufgehen sehen will man nicht.

Lustwandeln Schloss Schleißheim

Lustwandeln Schloss Schleißheim

Lustwandeln Schloss Schleißheim

Lustwandeln in Schloss Schleißheim – auch ohne Tweetwalk

Nicht nur wir Blogger, Twitteratis und Instagrammer in der Schlossanlage Schleißheim hatten Spaß an dem samstäglichen Tweetwalk. Kulturinteressierte und Schlösserliebhaber aus der ganzen Welt lustwandelten mit uns über die Sozialen Medien, unter anderem die Schlösserverwaltungen von Sanssouci und Versailles. Doch auch ohne Tweetwalk lohnt sich ein Ausflug nach Schloss Schleißheim. Es muss nicht immer Schloss Nymphenburg sein, obwohl sich zwischen Pagodenburg und Magdalenenklause auch dort wunderbar lustwandeln lässt. Und der schillernde Kurfürst Max Emanuel auch in Nymphenburg seine Finger im Spiel hatte.

Einfach in die S-Bahn schwingen und nach einem kurzen Spaziergang von der Haltestelle Oberschleißheim in die Schleißheimer Barockwelt eintauchen. Oder man radelt aus München her und stärkt sich wie wir nach einem ausgiebigen Lustwandel-Spaziergang in der ehemaligen Schlossküche mit einer Brotzeit und wärmt sich von innen mit einem Eremitentrost.

Wer wissen möchte, was alles über das Lustwandeln in Schloss Schleißheim im Netz gezwitschert wurde, vor und nach dem Eremitentrost, der schaut einfach im Storify von Organisatorin Tanja vorbei. Die schönen Blogposts meiner Bloggerkollegen Markus, Sylvia, Ricarda und Katja kann ich Euch ebenfalls an Herz legen <3!

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7 comments

  1. Liebe Alex,

    wunderbarer Artikel mit tollen Fotos (mir gefällt dein Theme sehr!)!

    Ich wurde von den Reportern mehrfach gefragt, was denn bei den Leuten, die permanent auf ihr Smartphone starren, am Ende in Erinnerung bleibt – sie können doch kaum wahrnehmen, was ihnen „ALLES“ erzählt werde. Lese ich deinen Artikel, dann ist klar, es bleibt VIEL und Wunderbares haften, trotz Smartphones und Co oder vielleicht auch gerade deshalb – so schöne Fotos!

    Ein ganz herzliches Dankeschön, dass du dabei warst! Dein stimmungsvoller Bericht erfreut uns sehr – so macht digital-analoge Kulturvermittlung Spaß und ja – kommt alle nach Schleißheim. Es ist zu jeder Jahreszeit schön dort und prima mit der S-Bahn von München aus erreichbar.

    Herzlich,
    Tanja

  2. Liebe Tanja,

    freut mich sehr, dass Dir der Beitrag gefällt! Es war wirklich eine ganz wunderbare Aktion, die sehr viel Freude gemacht hat. Ich finde es hochgradig spannend zu sehen, wieviel Viralität im Netz entsteht und was man aus einer Schlossführung alles machen kann. Freue mich auf eine mögliche Fortsetzung in 2017 :-).

    Liebe Grüße,
    Alex

  3. Hi Alexandra,

    was für ein schöner Beitrag! Wie schön, dass sich Schleißheim auf deinem tollen Blog – für den musste ich mir noch mal extra viel Zeit nehmen – in der Gesellschaft von New York, Stockholm oder Bombay wiederfindet.

    Wenn also das nächste Mal das Fernweh nach mir ruft, fahre ich nach Schleißheim, flaniere durch den Garten und verputze genüsslich einen Apfel :).

    Ein großes Dankeschön, dass du bei dem Tweetwalk dabei warst und so einen schönen “Reisebericht” geschrieben hast.

    Viele liebe Grüße aus der Nymphenburg
    Gesine von der Schlösserverwaltung

  4. Hi Gesine,

    freue mich so sehr, hier im fernen Indien, wohin es mich zwei Tage nach dem Tweetwalk mal wieder verschlagen hat, Deinen Kommentar zu lesen! Schön, dass Dir der Beitrag gefällt und: ja, stöbere gerne ein wenig durch die Reiseberichte :-). Schleißheim ist da tatsächlich ein wenig der Exot unter den anderen Destinationen auf dem Blog, aber ich war so begeistert von der Aktion, dass ich es unbedingt verbloggen musste. Und wie wir alle wissen: Für schöne, spannende Dinge muss man nicht immer zwangsläufig weit reisen!

    Viele liebe Grüße nach Nymphenburg aus Delhi!
    Alexandra

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