Buddha Trail I: Sarnath. Wo der Buddha das Dhamma-Rad in Bewegung setzte

Während ich diese Zeilen schreibe, kommen plötzlich Erinnerungen an ein Buch auf, das ich vor vielen Jahren gelesen habe. Das vor fast 100 Jahren geschrieben wurde und in den Sechzigern in Deutschland zum Kultbuch wurde. Das seitdem mindestens zwei Generationen Jugendlicher und junge Erwachsene prägte. Ein Buch, in dem sich vor allem Teenager wiederfanden – auf der Suche nach sich selbst und nach einem tieferen Sinn. Die wie ich nach der Schule zu Hause Räucherstäbchen anzündeten und mit einem Tee, einer selbstgebatikten Windel oder einem bunten Fransenschal „Made in India“ aus dem Teeladen um den Hals, anstatt Hausaufgaben zu machen lieber Hermann Hesses „Siddhartha“ lasen. Jene Erzählung, in der ein von seinen Indien- und Asien-Reisen inspirierter Hesse die Geschichte eines jungen Brahmanensohn aus Nordindien auf der Suche nach der Erkenntnis erzählt. Zwar ist die Geschichte des Siddartha Gautama und seines Gefährten Govinda stark stilisiert, doch es ist offensichtlich, dass Hesse mit seiner „Indischen Dichtung“ die Lebensgeschichte jenes jungen Prinzen aus Kapilvastu aufgreift, der später zum Buddha wurde und eine der großen Weltreligionen begründete.

Die Wiege des Buddhismus liegt in Indien

Opulent verzierte, bunte Hindutempel in Südindien, majestätische Moscheen im Norden, weiß getünchte katholische Kirchen in Goa und Kerala – wenn man durch Indien reist, würde man nicht unbedingt vermuten, dass dieses Land die Wiege des Buddhismus ist. Erstaunlich ist ebenfalls: Nur weniger als ein Prozent der Bevölkerung sind Buddhisten. Man muss schon genauer suchen, nach den Spuren des Buddhismus in Indien. Die meisten liegen abseits der klassischen Routen westlicher Touristen, im Norden des Landes, in Uttar Pradesh und in Bihar, nahe der Grenze zu Nepal. Wenn man es genau nimmt, startet der „Buddha-Trail“ sogar in Nepal, in Lumbini, dem Geburtstort des Buddha.

Viele dieser Orte sind nicht so einfach zu erreichen. So bedurfte es bei mir auch mehrere Reisen, um die Stätten, an denen Buddha lebte und lehrte, zu besuchen. Mittlerweile war ich in Lumbini, dem Geburtsort Buddhas, in Bodhgaya, dem Ort, an dem Buddha die Erleuchtung fand, in Sarnath, wo Buddha seine erste historisch bedeutsame Predigt hielt und in Kushinagar, wo er verstarb. Im Rahmen einer Artikelserie „Der Buddha-Trail“ werde ich noch ausführlich erzählen, was es mit diesen Stätten auf sich hat und warum der Besuch dieser Orte für mich zu den Höhepunkten meiner Reisen durch den Subkontinent gehören.

Sarnath – Ort der ersten Predigt des Buddha

Den Anfang möchte ich mit Sarnath machen, denn im Rahmen der Uttar Pradesh Travel Writers Conclave 2015 – #UPTWC2015 – hatte ich im Oktober Gelegenheit, den Ort, an dem Buddha das „Dhamma-Rad“ in Bewegung setzte, ein zweites Mal zu besuchen. Die Lehre Buddhas wird Dhamma genannt und als Rad mit acht Speichen dargestellt, für den achtgliedrigen Pfad des Buddhismus. Im Zusammenhang mit der ersten Predigt des Buddha sprechen die Buddhisten daher gerne von dem Rad des Dhamma, das damit in Bewegung gesetzt wurde.

Mit unserem Guide Ashok macht sich unser Trüppchen aus Reisejournalisten und -bloggern auf den Weg nach Sarnath, etwa zehn Kilometer außerhalb von Varanasi. Es ist bereits später Nachmittag und die große, runde Dhamek Stupa ist in ein goldrotes Licht getaucht. Die Blattgoldfetzen am Sockel der Stupa, die von buddhistischen Pilgerern angebracht wurden, reflektieren das Sonnenlicht. Genau an dieser Stelle soll Buddha seine erste Predigt gehalten haben. Die Stupa geht auf den Maurya-König Ashoka zurück, dem Namensvetter unseres Guides, der im dritten Jahrhundert vor Christus lebte, zum Buddhismus konvertierte und seine Politik an den Lehren des Buddhismus ausrichtete. Er ließ hier auch eine Säule errichten, den Ashoka Pillar, der die Gründung der ersten buddhistischen Gemeinschaft markiert.

Ein buddhistischer Mönch postiert sich auf einer der Ruinen vor der Dhamek Stupa. Er nimmt den Lotussitz ein. Nicht etwa, um zu meditieren, sondern für eine Fotosession. Sein Begleiter knipst und knipst. Das Lachen des Mönches, der übrigens ein wenig eitel ist und seine Brille für die Fotos abnimmt, wird immer breiter. Es ist ansteckend, wir müssen auch lachen. Und fragen ihn, ob wir ihn auch fotografieren dürfen. Wir dürfen.

Sarnath_AshokaPillar

Sarnath_Sign_AshokaPillar

Sarnath_VotiveStupas

Sarnath_Monk_AshokaPillar

Sarnath_Monks_Back

Sarnath_Monks_Singing

Sarnath_Pilgrims

Sarnath_PrayingMills

Sarnath_Sign_Blessings

Wir wandern weiter durch die parkähnliche Anlage, in der zu Zeiten des historischen Buddhas Hirsche zu Hause waren. Von den ehemaligen Klosterzellen sind nur noch Ruinen übrig, ebenso von den meisten der kleineren Stupas. Sarnath gehört heute zu den wichtigsten Pilgerstätten des Buddhismus weltweit. Rings um die alte Anlage haben sich eine Vielzahl moderner Tempel angesiedelt. Fast jedes buddhistisch dominierte Land hat hier seinen eigenen Tempel, angefangen von Burma über Nepal bis Sri Lanka.

Auf dem Rasen vor der Dhamek Stupa treffen wir auf eine Gruppe thailändischer Mönche. Sie sind vertieft in ihre Liedtexte, einer der Mönche hat ein Mikrofon und ist wohl so etwas wie der Vorsinger. Sie lassen sich von uns und den anderen Besuchern, die um sie herumstreifen, nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht, als sich Manesh, der Fotograf des Lonely Planet Magazine India, bäuchlings direkt vor sie legt, um sie zu fotografieren. Wir beide sind mal wieder das Schlusslicht, werden ermahnt, endlich zu kommen, bevor der Park gleich abgesperrt wird. Immer dasselbe mit den Leuten mit den Kameras …

Zum Glück haben wir noch ein wenig Zeit, bevor es ganz dunkel wird. Ich möchte gerne noch einmal zu dem Banyan-Baum mit den Gebetsfahnen, der angeblich ein Ableger von dem Baum in Bodhgaya ist, unter dem Buddha seine Erleuchtung fand. Eine Gruppe Pilgerer beendet ihre Runde um den mit einer kleinen Steinmauer und Gebetsmühlen umrandeten Platz und bleibt vor dem Baum stehen, um zu beten. Einige der Gebetsmühlen drehen sich noch, ich gebe ihnen noch ein wenig Schwung. Und frage mich, ob diese auch Zettel mit dem buddhistischen Mantra „Om Mani Padme Hum“ enthalten, dessen positive Wirkung durch das Drehen der Gebetsmühlen in die Welt getragen wird. Leider wird es nun wirklich dunkel, wir müssen gehen. Inzwischen ist es auch hier in Südgoa dunkel, wohin ich heute zurückgekehrt bin. Zeit, um gute Nacht zu sagen … Bis bald!

*Zu dieser Reise wurde ich von Uttar Pradesh Tourism eingeladen. Der Text spiegelt meine eigene Meinung wider.

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